Freitag, 24. November 2000
Giengen und das Untere Brenztal
Seite 21
Kommt ein Mühlrad
geflogen
Spektakulärer
Transport der Bundeswehr / Volksfest-Laune in Burgberg
Die ersten Zuschauer sind schon vor zehn Uhr morgens an
den Landeplatz vor Burgberg gepilgert -und gegen Mittag suchen - Werktag
hin, Werktag her - hunderte von Augen den Horizont ab: Der von der IG
„Historisches Burgberg", der Stadt Giengen und der Bundeswehr
organisierte Hubschrauber-Transport
des „neuen" Rads für die Burgberger Mühle geriet gestern zum
kleinen Volksfest. Nach Improvisation sieht es dabei nahe der ehemaligen
„Zigarre" gar nicht aus: Gemeinsam mit der Burgberger Reservistenkameradschaft,
die zur Sicherung der Landung eigens in „Einsatz" versetzt wurde,
haben die IG-Mitglieder um Sprecher Günther Danzer für Getränke und warme
Speisen gesorgt: Aus dem Bundeswehr-Nachschublager in Amstetten haben die
Reservisten sogar ein olivgrünes „Festzelt" kommen lassen. Man
isst, trinkt - und sucht den Himmel ab.
Um genau 12.14 Uhr brummt der Hubschrauber dann aus
Richtung Sontheim über den Wald, und das Warten hat auch für die
Organisatoren ein Ende:
Zur Orientierung zünden die Reservisten eine Rauchbombe
neben dem Landepunkt, an dem man eigens ein metertiefes Loch für die Achse
des Mühlrads gegraben hat - die dreieinhalb Tonnen schwere Fracht soll
schließlich flach auf dem Boden aufsetzen.
Dort bricht buchstäblich der Sturm los: Zwar haben
Bundeswehr und Polizei die benachbarte Straße gesperrt und dort sogar
geparkte Autos entfernt, doch mit gut 8000 PS und einem Rotor mit über 20
Metern Spannweite treibt der Transporthubschrauber vom Typ „Sikorsky CH
53" selbst den weit entfernten Zuschauern einen Orkan ins Gesicht, der
für manchen entsetzten Ausruf sorgt. Nach einigen Minuten Pendeln über
dem Landepunkt setzt das Rad um 12.19 Uhr auf und wird ausgeklingt.
Und wenige Augenblicke später setzt der über 20 Tonnen
schwere Hubschrauber in der sumpfigen Wiese auf. Landung Burgberg pünktlich
-Transport erledigt.
Eine „problemlose Sache" sei es gewesen, so
Kommandant Christian Winter: 40 Minuten war er mit sieben Mann Besatzung
und dem Rad aus Schongau unterwegs - mit rund 180 Stundenkilometern:
„Wenn es geeilt hätte, hätten wir auch schneller gekonnt." Der
Hauptmann der Heeresflieger aus Laupheim ist nicht einmal von der
exotischen Fracht beeindruckt: Seit 27 Jahren fliegt er den riesigen
Sikorsky in ganz Europa, transportierte Frachten im Golfkrieg und löschte
im Sommer Waldbrände in Mazedonien - nun eben ein Mühlrad. Am Boden
sieht man das anders:
„Phantastisch", so Oberbürgermeister Rieg, der die Besatzung mit
unerwartet passenden
Steiff-Tierchen beschenkt: Der Elefant, der sich unter den Geschenken
findet, ist zufällig das Wappentier der Einheit.
Während man den Hubschrauber noch vor handgreiflichem
Interesse der Zuschauer abschirmt, gönnt sich die Besatzung dann noch
ein Vesper, ehe sie mit ihrer Maschine wieder abhebt. Ab 14.30 Uhr steht in
Laupheim nämlich der nächste Flug an
- wenn auch kein Mühlrad-Transport.
Hendrik Rupp
Am heutigen Freitag wird das Mühlrad per Kran und
Tieflader an seinen Platz an der Mühle gebracht. Der Transport ist gegen 13
Uhr geplant.

Zugiges Volksfest: Trotz Werktag war der Landeplatz kurz vor Burgberg
gestern dicht mit Schaulustigen umlagert - und nach Würstchen und Getränken
gab es für sie auch Hubschrauber-Orkan hautnah.

„Problemlos":
Hubschrauber-Kommandant Christian Winter (links, mit Pilot Manfred Lang.
IG-Sprecher Günter Danzer und OB Siegfried Rieg) nahm die Aufregung mit
viel Gelassenheit - freute sich aber samt der Besatzung über die
geschenkten Steiff-Tierchen.
Aufgespießt
„A
Duftruadler!"
IG-Sprecher und
Hobby-Sprachforscher Günter Danzer auf die Frage, wie man
„Hubschrauber" wohl in der Burgberger Ur-Sprache Jenisch sagen
würde.
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Samstag, 25. November 2000
Giengen und das Untere Brenztal
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Mühlrad: Die letzte Etappe wurde eng
Per Kran und
Teiflader zur Mühle befördert
BURGBERG
(hr). Beim Hubschrauber-Transport am Tag zuvor war Platz noch kein
Problem: Die letzte Etappe des Mühlrads durch die Burgberger Ortsmitte
wurde gestern allerdings zeitweise zum Spiel um Zentimeter. Um die Mittagszeit
war das sechs Meter breite Stahlgerüst auf dem „Landeplatz" vor dem
Ortsrand zunächst mit einem Autokran auf einen Tieflader gehoben, der
eigens mit einem Holzgestell für die exotische Fracht präpariert war.
Zwischendurch einmal senkrecht: Beim Verladen per
Kran zeigte
sich das Mühlrad von seiner „typischen“ Seite.
Foto: gila
Gesichert
von der Polizei machte sich der von den Firmen Lehner und Omya gesponserte
Schwertransport dann auf den Weg zur Mühle - mitten durch die Burgberger
Ortsdurchfahrt. Dass man dort gestern nicht parken durfte, hatte dann
zumindest ein Autofahrer nicht beherzigt; Auf den letzten Metern vor der Hürbe-brücke
half schließlich nur das Abbiegen eines Verkehrsschildes, um Tieflader
und Mühlrad durch die Zufahrt zu zwängen- Schließlich endete die Fahrt
aber doch noch neben der Mühle. Dort kann sich das weitgereiste Mühlrad
nun erst einmal eine Winterpause gönnen: Nach den bisherigen Planungen wird
das Rad erst im nächsten Jahr an seinem endgültigen Platz an der Nordseite
des Mühlengebäudes montiert. Und danach soll es sich nur noch auf die eigentlich
vorgesehene Art bewegen: Im Kreis herum, per Wasserkraft.

Das Schild muss weg: Kurz vor der Hürbebrücke war
der Transport
per Tieflader noch einmal ein Spiel auf Zentimeter. Foto:
gila
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