Die kirchliche Entwicklung in Burgberg
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Ursprünglich
bestand der Ort Burgberg nur aus dem Schloss bzw. der Burg auf dem Berg
und der Mühle darunter. Allmählich bildete sich entlang der Hürbe eine
Siedlung, die im Jahre 1372 als
„Wilerberg" genannt ist. Zeitweise
sorgte ein Burgkaplan für
die religiöse Betreuung. Gottesdienste wurden in der Burgkapelle
abgehalten. Pfarrlich gehörten die wenigen „Hausgenossen" im
Bereich des Schlosses zum Kloster Herbrechtingen, welches auch den großen
und kleinen Zehent bezog. Schon vor dem Jahr 1556 finden wir den
Grafeneckschen „Fleckh Burgkberg", soweit
rechts der Hürbe am Bach gelegen, zur Pfarrei Hermaringen gehörig.
Dorthin mußte auch der Klein-Zehent abgeliefert werden. Dieser bestand
aus Erbis, Linsen, Wintergerste, Kraut, Rüben, Hanf und Flachs. Der Groß-Zehent,
bestehend vor allem aus Dinkel und Hafer, stand dem Reichsstift
Kaisersheim (Kaisheim) zu, welches in Hermaringen das Patronats recht über
die Kirche ausübte. Wer sich links
der Hürbe angesiedelt hatte („im Weiler"), war der Kirche
in Hürben zugeteilt, welche wiederum bis 1837 ein Filial von
Herbrechtingen bildete. Diese
Zugehörigkeit war mit dem Zusatz „todt und lebendig" versehen, das
heißt, die Toten wurden auch auf dem Friedhof in Hermaringen bzw. Hürben
beerdigt. Das so geregelte Begräbnis wurde beibehalten bis zur Anlage des
eigenen Friedhofes in Burgberg Im Jahre 1814. Schon vor der Reformation
befand sich am Fuße des Schlossberges unweit der Mühle eine geräumige Kapelle, welche auf der Rehlinscnen Bildkarte deutlich zu erkennen
ist. Zweifellos wurden hier auch Gottesdienste gehalten. Folgen der ReformationHerzog
Ulrich von Württemberg führte 1536 in seinem Land die Reformation ein.
Sein Nachfolger, Herzog Christoph, erließ 1553 eine neue Kirchenordnung,
die auch für die württembergischen Orte Hermaringen und Hürben
verbindlich wurde. Die reichsritterschaftlichen Freiherren (seit 1664
Grafen) von Grafeneck, welche von 1459 bis 1728 Inhaber von Burgberg
waren, schlössen sich der Reformation nicht an. Damit musste die
Seelsorge für Burgberg neu geordnet werden. Zunächst begaben sich die Gläubigen
des Ortes in die Obhut des Pfarrers
von Lontal. Seit 1556 wurden sie dann vom geistlichen Verwalter des
Kaisersheimischen Pfleghofes
Lindenau betreut. Der Weg dorthin war jedoch weit und durch die großen
Wälder nicht ungefährlich. Deshalb wurde vom Kloster Kaisersheim um 1700
veranlasst, dass der Weiler Burgberg als
„Caritativfilial" dem Seelsorger des katholisch gebliebenen
Teils von Niederstotzingen zugeteilt wurde. Diese Hälfte der Stadt war 1661
in den Besitz des Klosters Kaisershelm gekommen und wurde von
Zisterzienser-Mönchen verwaltet (G. Stockinger). Für seine Bemühungen
wurden dem dortigen Pfarrer vom Kloster jährlich ein „Giengenscher
Malter Dinkel und ebensoviel Haber" durch das Pflegamt in
Niederstotzingen verabreicht. Für
die Schlossbewohner selbst bestellte die Herrschaft nach dem 3Ojährigen
Krieg einen Geistlichen aus dem Dominikanerkloster Obermedlingen als Schlosskaplan, der im Schloss den Gottesdienst an Sonn- und
Feiertagen abhielt. Das Kirchlein bei der Mühle war während der
Kriegsereignisse um das Jahr 1630 abgebrannt. Um den
Bewohnern
wieder einen religiösen Mittelpunkt zu schaffen, wurde im Jahre 1710 ein
neues Kirchlein an der Stelle des alten errichtet und dem heiligen
Veit (Vitus) sowie den 14 Nothelfern vom Bischof von Augsburg geweiht. Der
heilige Vitus wird heute noch bei Unwetter oder Erdbeben um Fürbitte
angerufen. Graf Joachim Gottfried
von Grafeneck hatte für den Bau die nötigen Mittel bereitgestellt
und auch die Stelle für einen Benefiziaten entsprechend
dotiert. Dieser wurde unter der Bezeichnung „Schlosskaplan"
geführt (Archiv Wall. unter Note Neresheim 1792). Noch
zu Beginn des 18. Jahrhunderts zählte man in Burgberg außer dem Schloss
nur eine Mühle, vier Söldnerstellen und 15 Taglöhnerfamilien. Als nach
dem Aussterben der Grafeneck im Mannesstamm im Jahre 1728 Burgberg an das
fürstliche Oettingen-Wallerstein
heimgefallen war, stieg die Einwohnerzahl durch die Besiedlung am Stettberg sprunghaft an.
St. Vitus, Patron der Kirche in Burgberg Errichtung einer Kaplanei Im
Jahre 1760 stiftete Fürst Alois
l. von Oettingen das
„Benefizium" (Stiftung)
zum hl. Veit mit einem Jahresgehalt von 60 Gulden (1786 erhöht auf
120 Gulden) und 5 1/2 Klaftern Holz und vergab die Stelle an einen
Kaplan. Dieses „beneficium
annuale" hatte jeweils nur für ein Jahr Gültigkeit und
musste vom Inhaber jedes Jahr neu beantragt werden. Hauptaufgabe des
Kaplans war neben der religiösen Betreuung das Schulhalten. Mit der Errichtung der Kaplanei erfolgte die Zusammenlegung der verschiedenen Wohnbereiche „Oberberg“, der „Wallersteinschen Siedlung" am Stettberg und „Weiler" unter dem gemeinsamen Namen „Burgberg". So ist in den Pfarrbüchern letztmals 1753 die Ortsbezeichnung mit „de (von) Oberberg" zu finden. Nach entsprechenden Vereinbarungen mit der Mutterpfarrei Niederstotzingen wurde der Haus-Kaplanei schließlich die Pfarrseelsorge im gesamten Ort übertragen. 1773 erhielt der Kaplan das Recht, selbst zu taufen. 1786 wurde die bischöfliche Genehmigung erteilt, in der Dorfkapelle das Allerheiligste aufzubewahren. Tabernakel, Speisekelch und Ölkapsel wurden vom Fürsten, die Monstranz vom Amtsmeister der Vogtei zu Neresheim angeschafft. Dort befand sich die für Burgberg zuständige fürstliche Verwaltungsstelle. Nach
wie vor verblieb das Recht des Begräbnisses auf dem Friedhof in
Hermaringen bzw. Hürben. Der Geistliche begleitete die Leiche lediglich
bis an die Markungsgrenze. Die Totenmesse wurde in
Niederstotzingen
oder später in Burgberg gehalten. Erst im Jahre 1814 wurde der heute noch
bestehende Friedhof in
Burgberg angelegt. Zur
Entlastung des Benefiziaten wurde 1776 als erster
Schulmeister und Mesner Johann Georg Adamer in Burgberg angestellt.
Der Geistliche hatte neben der religiösen Unterweisung lediglich noch die
Aufsicht über den Schulunterricht auszuüben. Die jährliche Visitation
wurde jeweils vor Ostern vorgenommen. Gegenstand der Prüfung war neben
Lesen, Schreiben und Rechnen auch der Beicht- und Kommunionunterricht.
Nach Ostern fand kein Unterricht mehr statt. Dieser begann erst wieder ab
Martini (11. November). Französische Emigranten in Burgberg Besondere
Sorge bereitete in Burgberg eine Gruppe von Solitariern
(französische Sekte), welche nach der Revolution aus Frankreich geflüchtet
war und von dem fürstlichen Hause Wallerstein „dem Mitleid des
Burgberger Benefiziaten Ignaz
Degen empfohlen" wurde. Sie sollte im Schloss Unterkunft
finden. Am 27. Januar 1797 kamen zwei Priester, sechs Brüder und acht
Schwestern dieser Emigranten in Burgberg an, und im April trafen weitere 26 Personen
ein, darunter auch Kinder. Das Verhalten dieser Sektenmitglieder, die ärmlich
und vegetarisch lebten, war zwar „über allen Tadel erhaben",
jedoch bereitete die Unterbringung große Schwierigkeiten. Als das französische
Revoiutionsheer herannahte, verließen zwanzig Mitglieder wieder den Ort
(1799). Ein Jahr später räumten auch die übrigen das Schloss. Einige
Erregung hatte die Aufnahme eines Burgberger Mädchens in diese
Genossenschaft erweckt. Der Pfarrverband mit Niederstotzingen, welcher
wiederholt Anlas zu Auseinandersetzungen zwischen dem dortigen Pfarrherrn
und den hiesigen Kaplänen gab, wurde erst im Jahre 1805 völlig
aufgegeben, nachdem Burgberg ohne die Mühle bereits 1806 nach Auflösung
des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation vorübergehend (bis 1810) an
die Krone Bayern gekommen
war. Burgberg
wird selbständige Pfarrei Nachdem
die Bevölkerung
durch die Ansiedlung am Stettberg, die sich vor allem in der 2. Hälfte
des 18. Jahrhunderts
vollzogen hatte, stark angestiegen war, wurde die Errichtung einer eigenen
Pfarrei in Burgberg immer dringlicher. Einige Schwierigkeiten mussten überwunden
werden, bis die Pfarrkaplanei „von seiner Majestät dem König von Württemberg"
durch Dekret vom 16. Februar 1822 zu einer eigenen Pfarrei
erhoben wurde. Vorher war auch überlegt worden, ob Burgberg nicht der
Pfarrei Lontal (damals dem Oberamt Ulm zugehörig) zugeordnet werden
sollte. Vor allem reichte das bisherige Kaplanei-Beneficium bei weitem für
eine Pfarrbesoldung nicht aus. Dies konnte dadurch gelöst werden, dass
die Gemeinde eine jährliche Zulage von 80 Gulden bewilligte und aus dem Königlich
kath. Interkalarfonds (Erträgnisse aus unbesetzten Pfründen) der nicht
unerhebliche Rest gedeckt wurde. Sicher spielte auch eine hemmende Rolle
der Wechsel in den Zuständigkeiten im Zusammenhang mit der politischen
Neuordnung durch Napoleon. Bis zum Jahre 1810, als Burgberg zu Württemberg
kam, gehörte es zum Bistum Augsburg und damit zum
Landkapitel Giengen, nach der Reformation jedoch zum Landkapitel
Dillingen. Nach 1810 wurde Burgberg dem Generalvikariat
Ellwangen zugeschlagen und kam nach dessen Auflösung zum
neuerrichteten Landkapitel Ulm und damit zur 1828 errichteten
Diözese Rottenburg. Nicht minder schwierig gestaltete sich die
erste Besetzung der Pfarrei. Die
Patronatsherrschaft Wallerstein konnte trotz verschiedener Bemühungen
keinen eigenen Kandidaten präsentieren und überließ schließlich das
Besetzungsrecht dem Landesfürsten. So wurde „durch ein Dekret vom 16.
Februar 1822 Pfarrer Johler
zu Wiesenstetten bei Horb nach Burgberg als Pfarrer in gleicher
Eigenschaft v. Sr. Königl. Majestät versetzt auf die untertänigste
Bitte desselben, wieder in das Königl. Patronat aufgenommen zu
werden" (Pfarrchronik Burgberg). Am 19. November 1822 wurde er durch
Dekan Fauler, Stadtpfarrer zu Ulm, „introduziert". „Die Kirche
war gedrängt voll", ist in der Chronik von Rarrer Johler zu lesen,
„und alles, soviel ich wahrnahm, freute sich dieses Tages und dankte
Gott und dem König, wieder einen eigenen Ortsgeistlichen zu haben."
Im Schloss konnte der Pfarrer die bisherige Kaplaneiwohnung beziehen. Der
Pfarrei Burgberg wurden von der Diözese Rottenburg die katholischen Bewohner sämtlicher Gemeinden des damaligen Oberamts
Heidenheim als Filialisten zugeteilt. Im
Jahre 1842 waren dies insgesamt 140
Personen, darunter 17 aus Heidenheim, 12 aus Bolheim, 12 aus
Giengen, 31 aus Königsbronn, 10 aus Nattheim und 10 aus Steinheim. In
Burgberg selbst zählte man in diesem Jahr
1049 katholische und 10 evangelische Christen. Die jeweiligen
Pfarrer nahmen sich sehr um die Leute an und waren darum bemüht, der
armen Bevölkerung Burgbergs - im Jahre 1841 lebten 357 Personen vom
Hausierhandel - Ausbildungs- und Verdienstmöglichkeiten zu verschaffen.
Schon 1824 betrieb Pfarrer Johler die Gründung einer Industrieschule,
die jedoch erst 1840 errichtet werden konnte. Dem Pfarrer oblag auch die
Örtliche Schulaufsicht. So
war ihm nicht nur die sittliche Erziehung der Kinder und Jugendlichen ein
Anliegen, er musste auch im Zusammenwirken mit der Gemeinde um
entsprechende Räumlichkeiten für einen geregelten Schulunterricht Sorge
tragen. So bemühte sich Pfarrer
Biggel schon 1834 um Bau und Finanzierung eines Schulhauses. Schließlich,
nach mehrjährigen Anstrengungen, konnte im Jahre 1839/40 ein geräumiges
Gebäude mit Amts- und Schulräumen sowie Lehrerwohnungen erstellt werden (heutiges Rathaus). Die Zahl der
Schulkinder war schon 1819 auf 153 angewachsen. Diesen musste auch Brot
und Kleidung in der Schule verabreicht werden, da die Eltern dazu größtenteils
nicht in der Lage waren, soweit sie sich überhaupt am Ort aufhielten.
Ältere Kirche aus dem Jahre 1853, links Pfarrhaus, rechts Rathaus und Rotes Schulhaus Pfarrverweser Abele
betrieb 1838 die Einführung einer Kleinkinderschule
und nannte die Zahl von 81 Kindern (Jahrgänge 1833-37), die hierfür
anstanden. Ebenso setzte er sich für die Bewilligung von Geldern für die
Industrieschule aus dem staatl. Wohltätigkeitsfonds ein, um der älteren
Jugend beiderlei Geschlechts Ausbildungsmöglichkeiten für die
Anfertigung von allerlei Flechtarbeiten sowie Spinnen, Nähen und Stricken
zu verschaffen. Nicht selten musste der Pfarrer auch mit Geld aushelfen. Pfarrhausbau Im
Jahre 1838 verkaufte der Fürst von Oettingen-Wallerstein Schloss und Gut
Burgberg an den Freiherren (später Grafen)
Edmund von Linden. Dieser richtete das vernachlässigte Schloss für
seine Bedürfnisse her und bezog dort Wohnung mit seiner Familie. Im Jahre
1843 löste die neue Herrschaft das Wohnrecht des Pfarrers im Schlossgebäude
mit 1260 Gulden ab und trug als Patronatsherr weitere 500 Gulden zum
geplanten Bau eines Pfarrhauses bei. Damit wurde er durch Erlas vom 27.
Februar 1844 von jeder Bauschuldigkeit freigesprochen. Der Interkalartonds
deckte mit weiteren 500 Gulden den Abmangel, so dass 1844 das Pfarrhaus
erbaut werden konnte. Bereits 1828 war von der Gemeinde der Garten des
Nikolaus Brenner um 300 Gulden angekauft worden. Dieser bot Platz für das
bereits erstellte Schul- und Ratsgebäude, das Pfarrhaus samt Garten und
den späteren Kirchenbau. Kirchenbau Inzwischen
war das 1710 erbaute Kirchlein bei der Mühle längst zu klein geworden.
Es fasste „kaum 134 Menschen zum Sitzen und Knien" und war zudem
baufällig geworden, so dass die Gläubigen sich weigerten, hier
zusammenzukommen. Die Einwohnerzahl war 1849 auf 1039 angewachsen. Zu Beginn des Jahres 1852 begaben sich Pfarrer Schneider und Schultheiß Moser nach Stuttgart, um bei den zuständigen Stellen Zusagen für entsprechende Hilfen zu einem Kirchenbau einzuholen. Daraufhin wurde der Kgl. Baumeister Prof. Egle beauftragt, einen Plan anzufertigen. Schon am 18. Juli 1852 konnte durch den Ortspfarrer unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der Grundstein für eine neue Kirche gelegt werden. Bereits am 13. November 1853 wurde der erste Gottesdienst im neuen Gotteshaus gehalten. Die feierliche Einweihung durch den Rottenburger Bischof Dr. Joseph Lipp fand am 3. Mai 1855 statt. Schutzheiliger war wiederum der hl. Vitus. Der
Kostenaufwand von 21165 Gulden wurde zur Hälfte vom Interkalarfonds (kirchl.
Vermögen aus Erträgnissen von unbesetzten Pfründen) zur Verfügung
gestellt. Der staatliche Zuschuss betrug 3600 Gulden und der des bischöflichen
Ordinariats 1000 Gulden, das übrige erbrachte eine Kollekte. Der Kirchenbau, der von Werkmeister Bock, Giengen, zwischen Pfarrhaus und dem Schulgebäude in Backsteingotik ausgeführt worden war, wies alle Mängel einer sparsamen Bauweise auf. Schon 1869 musste das Plattendach abgenommen und durch ein Zinkdach ersetzt werden. Im Jahr 1891 wurde der Chor der Kirche restauriert und ein neuer Altar eingebaut, der von der Gemeinde Abtsgmünd günstig erworben worden war. Das Innere der Kirche, das in sogenannter „Schreinergotik" ausgeführt war, wurde 1897 ausgemalt. Im Jahre 1936 wurde schließlich ein neuer gotischer Hochaltar eingebaut, Die feierliche Einweihung nahm Bischof Dr. Sproll vor.
Gotischer Hochaltar aus dem Jahre 1936 Ordensschwestern in Burgberg Ein
sehr positiver Einfluss in sozialer, pädagogischer wie religiöser
Hinsicht ging auf die Gemeinde von der Schwesternstation
in Burgberg aus. Der damalige
Pfarrer Deiringer, der sich sehr um die Erziehung und Bildung der
Schuljugend bemühte, fasste den Plan, Ordensschwestern für den
Unterricht in der Mädchenschule zu gewinnen. Im Jahre 1867 fasste der
Gemeinderat den entsprechenden Beschluss, und nach Überwindung einiger
Schwierigkeiten konnte der Vertrag mit dem
Franziskanerinnenkloster in Sießen abgeschlossen werden. Die
Bistumspflege übernahm die Einrichtung der Wohnung im 2, Stock des Schul-
und Rathauses und wendete hierfür 434 Gulden auf. 1868 zogen drei
Schwestern ein und übernahmen die Unterrichtung von 70 - 80 Mädchen
(Schwester Alphonsa), die Industrieschule und die Kleinkinderschule. Gerne
erinnern sich ältere Leute an das segensvolle Wirken von
Schwester Eusebia, welche von 1896 bis 1930 zwei Generationen
unterrichtet hatte. Dasselbe gilt für
Schwester Kunigundis, die von 1933 bis 1955 den
Handarbeitsunterricht für Mädchen erteilte, während Schwester
Blanka nach Hitlers Machtergreifung ihren Schuldienst im Jahre 1936
aufgeben musste. Im Jahre 1911 wurde in Burgberg eine
Krankenschwesternstation eingerichtet. In das hierfür erstellte
Wohnhaus zogen zunächst zwei Barmherzige Schwestern aus dem Kloster Reute
ein. Die
Schulschwestern konnten im Jahre 1912 das neuerbaute Haus für Schule und
Kindergarten neben der Kirche beziehen. Am 1. März 1925 wurde auch die Krankenpflege den Sießener Schwestern übertragen, die alle drei am 4. 11. 1937 in das Schwesternhaus der Krankenpflegestation umzogen. Mit der Verabschiedung der Kinderschwester Melania, die 25 Jahre den Kindergarten geleitet hatte, wurde die Schwesternstation am 13.7. 1986 wegen Nachwuchsmangel aufgelöst. Man darf den Ordenstrauen nach 118jährigem, segensvollem Wirken in Burgberg bescheinigen, dass ihr selbstloser Einsatz und ihr vorbildlicher Lebenswandel die dörfliche Lebensweise und das sittliche Verhalten der Menschen wesentlich mitgeprägt haben.
Burgberger
Schwestern aus dem Kloster Sießen
In
Giengen war die Zahl der Katholiken bis zum Jahr 1889 auf 150 angestiegen.
Am 6. Januar 1890 hielt der Burgberger
Pfarrer Butz in der Spitalkirche
den ersten katholischen Gottesdienst seit der Reformation ab, der vom
Burgberger Kirchenchor mitgestaltet wurde. Am 1. August 1923 wurde Giengen vom Pfarrverband Burgberg gelöst und der
Stadtpfarrei Heidenheim zugeteilt. Im gleichen Jahr wurden Brenz
und Sontheim nach Niederstotzingen eingepfarrt. Trotz dieser Trennungen
war die Zahl der Pfarrangehörigen in Burgberg bis 1925 auf 1249
angestiegen, 1933 gehörten zur Pfarrei 1350 Seelen (Burgberg 1277,
Hermaringen 59, Bergenweiler 5 und Hürben 9). Neubau der KircheDa sich eine Renovierung des schadhaften, 110 Jahre alten Kirchengebäudes nicht lohnte, betrieb man seit dem Jahr 1962 einen Kirchenneubau, Die hochmotivierte Spendenbereitschaft der Gemeindemitglieder zeigte sich unmittelbar nach Gründung eines Kirchenbauvereins. Besonders der damalige Bürgermeister Eberhard!, der zugleich Kirchenpfleger war, setzte sich für das Gelingen des Neubaues ein. Mit der Planung und Bauleitung wurde Architekt Hermann Mayer, Heidenheim, beauftragt. Den Abbruch der alten Kirche übernahm eine Pionierkompanie der Bundeswehr aus Ellwangen, welche Sprengungen vornahm. Schon am ersten Adventssonntag 1964 konnte die Grundsteinlegung durch Dekan Müller, Heidenheim, an der Stelle des bisherigen Gotteshauses vorgenommen werden. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 877.350DM. Mit
großer Befriedigung durfte
Pfarrer Karl Fuchs - im 27. Jahr seines Wirkens in Burgberg - der
Vollendung des modernen Neubaues entgegensehen. Die
feierliche Einweihung nahm der Rottenburger
Bischof Dr. Carl Josef Leiprecht am 2. April 1966 unter großer
Beteiligung der Gemeinde vor. Das Spendenkonto war bis zu diesem Tag auf
95000 DM angestiegen. Der von der Kirche abgesetzte, 28 m hohe Turm
erhielt ein Geläut mit drei neuen und einer alten Glocke, das nach dem
Motiv „Salve regina" abgestimmt ist. Die
neue Orgel wurde von der
Firma Link, Giengen,
hergestellt, von Spenden der Gemeindemitglieder finanziert und im Jahre
1983 eingebaut. Am 18. 3, 1979 trat Pfarrer Karl Fuchs nach 40jähriger Tätigkeit In Burgberg in den Ruhestand, Er verließ den Ort und zog in seine Heimatstadt Ellwangen, wo er am 3.12.1983 starb.
Pfarrer Fuchs mit den Erstkommunikanten 1977 Bereits
am 24. Mai 1979 übernahm Pfarrer
Josef Wührl die Seelsorge in Burgberg. Dieser ließ am Westhang
des Stettberges eine Fatima-Grotte
errichten, welche am 9. 5. 1982 eingeweiht wurde und einen
Mittelpunkt der besonderen Marienverehrung darstellt. Fatima-Grotte
am unteren Stettberg Im Jahre 1989 entschloss sich der Kirchengemeinderat zu einer künstlerischen Neugestaltung des Altarraumes der Kirche. Der sakrale Charakter konnte durch die Kreuzigungsgruppe an der Stirnseite und das Buntfenster an der rechten Seite des Chores, das die Auferstehung Christi darstellt, eindrucksvoll verstärkt werden. Ein Tag der FreudeAm 7.
Juli 1989 erwarb die Kirchengemeinde von der Stadt Giengen, in welche
Burgberg seit 1972 eingemeindet ist, das 1912 erbaute Schulhaus neben der
Kirche und baute es zu einem Gemeindezentrum
aus. Zwei größere Räume stehen nun für verschiedene Veranstaltungen
zur Verfügung. Eine Küche, ein Sitzungszimmer, zwei Jugendräume sowie Räumlichkeiten
zum Basteln und Spielen bieten sich an. Insgesamt wurden 1,3 Millionen DM
investiert. In dieser Summe ist ein großer Anteil an Eigenleistung der
Gemeindeglieder nicht enthalten. Die
Einweihung am 22. Februar 1991 nahm Bischof Walter Kasper vor. Der
Kirchenchor und die Blaskapelle des Musikvereins gaben den Begrüßungsworten
von Pfarrer Wührl und Bruno Rembold den feierlichen Rahmen. Hatte doch
der heutige Würdenträger seine Kindheit hier von 1933 bis 1938
verbracht, als sein Vater Schulleiter in Burgberg war.
Gemeindezentrum,
Einweihung am 22. 2.1991 Empfang
durch den Musikverein Burgberg Ortspfarrer Josef Wührl sowie Pfarrer Zink aus Rammingen zelebrierten mit dem Bischof die Messe, assistiert von einer Schar von Ministranten, während der Kirchenchor unter Leitung von Bruno Hägele und die Blaskapelle unter Stabführung ihres Dirigenten Oswald Müller die vollbesetzte Kirche mit Sang und Klang erfüllten. Von der Kirche begab man sich zum neu eingerichteten Gemeindezentrum, wo Architekt Klaus Baur aus Oberstotzingen den Schlüssel übergab und Bischof Walter Kasper an seine Kindergartenzeit in diesem Hause erinnerte. Sodann sprach der Bischof den Segen über das Haus der Begegnung und gab ihm die Weihe. Es wird fortan den Namen „Sankt Josef" tragen.
Schlüsselübergabe durch Architekt Klaus Baur
Beim anschließenden Stehempfang mit zahlreichen Vertretern der Öffentlichkeit würdigte der zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Helmut Hartmann, den unermüdlichen Einsatz von Pfarrer Wührl, der seit zwölf Jahren in Burgberg tätig ist. Anerkennende Worte fand er auch für die vielen Spender und Helfer aus der Gemeinde, die mit Eifer und großer Opferbereitschaft zum Gelingen des Werkes beigetragen hatten. Nicht zuletzt erwies er die Dankbarkeit des Kirchengemeinderats gegenüber dem Bischof, der durch seinen Besuch in Burgberg neue Impulse für das Gemeindeleben vermittelte. Als Vertreter der bürgerlichen Gemeinde beglückwünschte Bürgermeister Rieg (jetzt Oberbürgermeister) die 2000 Seelen zählende Kirchengemeinde des Teilortes. Er bezeichnete die Begegnungsstätte als wichtige Einrichtung, die zusammen mit Kirche, ehemaligem Rathaus und der Schule einen eindrucksvollen Dorfmittelpunkt bilde. Dem hohen Gast überreichte er einen Steiff-Elefanten.
Pfarrer Kastler aus Hermaringen, der die evangelischen Christen in Burgberg betreut, verband seine Grüße mit dem Wunsch, dass die neue Einrichtung vielfältige Möglichkeiten bieten möge, die christliche Bewegung stark zu machen, Weitere Grußworte sprach Josef Hotz von der katholischen Kirchengemeinde Bissingen, die von Burgberg aus pastoriert wird. Das
Gebäude, welches 1912 von der Gemeinde Burgberg errichtet worden war,
diente ursprünglich als Kindergarten, Schulraum und Wohnung für die Sießener
Schwestern, die hier als Lehrkräfte tätig waren. Im Jahre 1989 wurde das
Haus von der Stadt für 240000 DM erworben und anschließend umgebaut und
instand gesetzt. Insgesamt wurden 1,3 Millionen DM investiert, worin ein
großer Anteil an Eigenleistung in Form von freiwilligen Arbeitsstunden
der Gemeindeglieder nicht
enthalten ist. Die Diözese steuerte 600000 DM bei. Die Stadt Giengen gab
einen Zuschuss von 80000 DM. 100000 DM wurden aus Bettelpredigten
eingebracht. Im
Erdgeschoss des nun zum Gemeindezentrum umgewandelten Hauses stehen zwei Säle
für Veranstaltungen zur Verfügung. Hier kann auch der Kirchenchor
proben, ebenso sollen die Senioren sich in diesen Räumen treffen. Neben
sanitären Anlagen ist eine Küche eingerichtet. Im Obergeschoss wird künftig der Kirchengemeinderat tagen. Auch zwei Jugendräume, ein Spielzimmer und eine Teeküche haben hier Platz gefunden. Im Keller befinden sich eine Waschküche, zwei Bastelräume und Lagerraum für allerlei Mobiliar. Keine Neubesetzung der Pfarrstelle Auf
den Tag der Freude folgte ein Jahr später die große Enttäuschung für
die Gemeinde. Allenthalben machte sich Entrüstung breit, als der Sprecher
des Ordinariats am 23. März 1992 mitteilte, dass die hiesige Pfarrstelle
infolge des großen Priestermangels nicht mehr für eine Besetzung
vorgesehen sei, sobald Pfarrer Wührl die Gemeinde verlasse. Die
Kirchengemeinde müsse dann von Giengen aus von einem Seelsorger betreut
werden. Dies bedeutet, dass die einstige Muttergemeinde für alle
Katholiken des gesamten Kreisgebietes, insbesondere der Stadt Giengen, nun
selbst Tochtergemeinde dieser Stadt werden soll. Alle Proteste - nicht
zuletzt eine Unterschriftenaktion - sowie der angedrohte Rücktritt des
Kirchengemeinderates blieben erfolglos. Die Angliederung an die
Kirchengemeinde in Giengen begründet das Ordinariat mit dem Beschluss des
Diözesanrates vom Jahre 1972, wonach notwendige Zusammenlegungen von
Seelsorgebereichen möglichst mit kommunalen Grenzen übereinstimmen
sollen, weil damit bereits wesentliche Beziehungen gegeben sind. Dies
trifft seit der Eingemeindung Burgbergs nach Giengen im Jahre 1972 zu. Die Kirchengemeinde Burgberg zählte im Jahre 1991 rund 1560 Seelen. Pfarrer Josef Wührl hat als Filialen auch die 265 Katholiken in Mürben und den katholischen Teil Bissingens mit 275 Angehörigen zu betreuen. Burgberg nahm Abschied von Pfarrer WührlAm
9. Mai 1994 verstarb nach langer, schwerer Krankheit Pfarrer Josef Wührl. Nachdem
er einige Zelt als Dreher bei der Firma Röhm in Sontheim gearbeitet
hatte, fühlte er sich 1964 zum geistlichen Dienst berufen, machte am
Collegium Ambrosianum in Cannstatt sein Abitur, studierte in Innsbruck und
Tübingen Philosophie und Theologie und wurde 1976 von Bischof Moser zum
Priester geweiht. Nach seiner Tätigkeit in Gingen/Fils und als Vikar in
Heilbronn übernahm er 1979 die Pfarrgemeinde St. Vitus als erste
Pfarrstelle. Pfarrer
Wührl war kein bequemer Pfarrer. Er hatte seinen eigenen Kopf und seine
eigene Meinung und mußte erst überzeugt werden, bevor er zustimmte. Aber
in Zeiten auftretender Spannungen konnte er nachweislich des Vertrauens
und der Solidarität der Bevölkerung sicher sein. So herrscht in Burgberg nun Trauer um Pfarrer Josef Wührl, den früh Dahingegangenen. Und das um so mehr, als sich nach seinem Tod in der katholischen Gemeinde Burgbergs bedeutende Veränderungen ergaben. Zwar bleiben der Kirchengemeinderat und die Kirchenpflege weiterhin bestehen, aber die Pfarrstelle wird trotz heftiger Proteste aus Burgberg nicht mehr besetzt, sondern der katholischen Kirchengemeinde Giengen und damit Dekan Gube (heute: Dekan Cammerer) zugeordnet.
Bei
der feierlichen Einweihung des Gemeindehauses mit Bischof Walter Kasper
1760 Kaplan Roth 1775 Kaplan Stubenvoll Kaplan Weininger 1789 (9.10.) Benefiziat Josef Anton Ganßer 1794 (1796) Benefiziat Ignaz Degen vor 1801 Benefiziat Natterer 1807 Benefiziat Fr. H. Neher (1806 Pfarrkaplanei) 1811 Benefiziat Rupp 1822 Pfarrverweser Blankenhorn (Pfarrei errichtet) 1822 (10. 10.) Pfarrer Johler 1826 Kaplan Mayr 1834(1.4.) Pfarrer Lippel 1838 Pfarrer Abele 1845 (Mai) Pfarrer Augustin Schneider (neues Pfarrhaus bezogen) 1852(11. 1.) 1854/1868 1868 Pfarrer Deiringer 1884 Pfarrer Butz (Investitur 16. 12. 84) 1893 Pfarrer Butz (Abschied 17. 12. 93) 1893 (bis 26. 4. 94) Pfarrverweser Weber 1894 (Pfarrer Anton Baier (Investitur 26. 4. 94) 1904 (1. 12. Abschied) nach Reute bei Waldsee 1904 Pfarrverweser Schilling 1905 (28. 8.) Pfarrer E. Baumann (Investitur 1. 5. 1906) 1919 (23. 12.) Pfarrer E. Baumann nach Niederstotzingen 1919 Pfarrverweser Huber 1920 (Ende Februar) Pfarrverweser Bertler (bis 1. 12. 1921) 1921 Pfarrer Zeyer (8. 12. 1921 Investitur) (am 11. 7. 1927 nach Mariazell b. Rottweil) 1927 Pfarrverweser Steeb 1927 (11. 10.) Pfarrer Seehofer bis 28. 11. 1935 1935 (4. 12.) Pfarrer Hager (Vertreter Vikar Sießegger) 1939 Pfarrer Karl Fuchs bis 18. 3. 79 (V 3. 12. 83 in Ellwangen) 1979 (24. 5.) Pfarrer Josef Wührl (V 9. 5. 94)
Literatur: Pfarrchronik Burgberg Chronik der Schulschwestern Schulchronik und Schulakten Burgberg Archivalien im Fürst!. Archiv Wallerstein (Schw.Concordia) Oberamtsbeschreibung Heidenheim 1844
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