Die Herren von Grafeneck

 

In früheren Zeiten waren in der alten Reichsstadt Giengen auch Angehörige verschiedener Familien des niederen Adels sesshaft.

Im 13. Jahrhundert findet man Adelige, die sich „von Giengen" nannten. So sind in einer Urkunde von 1258 die Brüder „Marquardus et (und) Bertholdus de (von) Giengen" erwähnt, die ihren Hof zu Birkach an das Kloster Kaisersheim verkaufen. Am 8. März 1258 verkauft ein „Ritter genannt Dietleip von Giengen" an das Spital der heil. Maria in Nördlingen sein Gut in Golpurchusen (Goldburg­hausen) für 82 1/2 Pfund Heller. Als Zeugen hierbei sind u. a. benannt:
Sein Bruder von Giengen und seine beiden Söhne, ferner ein Wiman von Giengen sowie „der jüngere Gusso von Stronburc" (Stromburg bei Hermaringen).  

Im gleichen Jahr tritt ein Friedrich von Giengen als Zeuge für Bischof Hartmann von Augsburg auf. In einer Wallersteinischen Urkunde sind 1295 u. a. folgende Zeugen als Bürger von Giengen genannt: Ulrich von Kamloch, „commendur" zu Giengen (Kloster Kaisheim), Cunrad von Berg (Burgberg) und Cunrad von Rammungen. Die Ritter Friedrich und Eberhard von Giengen verhandeln zusammen mit ihrer Mutter Luitgard 1297 mit dem Grafen Ulrich von Helfenstein. Ferner tauchen Geschlechter auf, welche in der Umgebung der Stadt begütert waren und ihre Burgen hatten. Dies waren vor allem die Freiherren von Riedheim, von Westerstetten, von Syrgenstein, von Wöllwarth, von Rammingen und von Grafeneck. 


      Burgberg zur Zelt der Herren von Grafeneck (1591) 

Die Herren von Grafeneck

Allzu viel Spuren der Grafeneck, welche in Giengen in älterer Zeit ansässig waren, sind heute kaum mehr aufzufinden. Dass sie hier ein Domizil hatten, ist bekannt, jedoch dürfte kaum noch jemand wissen, wo in der Stadt sich dieses befand. Am 5. Dezember 1496 wird ein Wolf von Grafeneck zu Giengen als Zeuge genannt. Aus einer heute nicht mehr feststellbaren Quelle ist folgende Notiz überliefert:

„Im Jahre 1530 verkaufte ein Friedrich von Grafeneck an die Stadt die St-Leonhards-Pfründe in Giengen, die zu dieser Zeit Ulrich Bentz besitzt, 5 Gulden Zins aus seinem Fischwasser." Nach Magenau wollte im Jahre 1760 ein Angehöriger der Freiherren von Syrgenstein das „alte Grafeneckische Haus“, welches dessen Vater an die Stadt verkauft hatte, unter billigen Bedingungen wieder einlösen -offenbar vergebens. Von dieser Familie hatte übrigens das „Syrgensteinische Schlößlein“ seinen Namen, weiches 1732 vom Rat der Stadt -wohl auf Abbruch - an den Provisor Johann Mayer verkauft und der Platz überbaut wurde.

Die ehemaligen Reichsgrafen führen ihren Stamm auf Konrad von Grafenegg zurück, der gegen das Ende des 13. Jahrhunderts (1282/83) gelebt hat und dessen Söhne Heinrich und Eberhardt 1309 genannt sind- Die Stammburg dieses Geschlechts war unweit von Münsingen, ging aber schon im 14. Jahrhundert mit verschiedenen Gütern und Gerechtsamen an das Haus Wirtemberg über. Im Wappen führten diese Grafen eine weiße Raute in rotem Feld, wie es auch von den späteren Geschlechtern beibehalten wurde.

Schon im 14. Jahrhundert hat die gräfliche Linie aufgehört zu bestehen, Unter dem Titel „Freiherren" lebte dieses Geschlecht in mehreren Linien weiter und gelangte zu hohem Ansehen. Ein Friedrich von Grafeneck wurde 1411 Bischof von Augsburg, „dort mit allem Jubel empfangen und auf den Altar gesetzt" (Ptarrchronik Burgberg).

Im Jahre 1414 erscheint Wolf von Grafeneck auf dem Konzil zu Konstanz unter den 1500 teilnehmenden Rittern. 1460 wird Ulrich von Grafeneck als tapferer Hauptmann des Kaisers Friedrich III. rühmlich hervorgehoben, 100 Jahre später (1563) wurde ein Angehöriger dieses Geschlechts, als der Landes- und Religionsfrieden verkündet worden war, vom Schwäbischen Kreis zur Aufrechterhaltung der Sicherheit auf den Straßen ernannt.

Herren auf der Kaltenburg

Neben einer Anzahl von Burgen und Dörfern auf der Alb zählten die Grafeneck in unserer Gegend über längere Zeiträume hinweg die Kaltenburg und Burgberg zu ihrem Besitz.

Zunächst finden wir zu Beginn des 15. Jahrhunderts einen Wolf von Grafeneck in Welsingen (Bayern). Dieser war Rieger in Lauingcn. Durch seine erste Frau Ursula, die eine geborene von Riedheim war, hatte er offensichtlich Verbindung mit diesem Geschlecht, das unter anderem im Besitz der Kaltenburg war. Die nachfolgend Genannten sind zweifellos dessen Söhne.

Am Stefanstag (26. Dezember) 1445 erfolgte durch die bayrische Lehenherrschaft die Verleihung des halben Teils des Schlosses Kaltenburg und des halben Teils von Weiler Reuendorf, „das er von sein Bruder Wolf v. Grafeneck gekauft hat", an Sixtus von Grafeneck, Der Erwerb des „halben Teils" der Kaltenburg durch den oben genannten Bruder Wolf ist zweifellos durch Einheirat zustande gekommen, denn in den folgenden Jahren treten Angehörige der von Riedheim und von Grafeneck als Vettern auf.

So verkauft Ulrich von Riedheim zu Kaltenburg im Jahre 1459 „das Schloss Kaltenburg, 2 Höfe zu Ryhendort und bei St. Ulrich im Lontal die Lehenschaft und den Kirchensatz von St. Ulrich, den See und mehrere Holzmarken für 2000 Gulden" an seinen Vetter Fritz von Grafeneck. Die beiden Vettern waren 1457 gemeinsam Zeugen, als Ritter Puppelin vom Stein in den Besitz von Niederstotzingen kam. Fritz von Grafeneck erwarb 1461 auch die Herrschaft Stellen mit allen Gütern und Gerechtsamen von Konrad und Ulrich von Riedhelm.

Dieser Fritz (oder Friedrich), 1491 als „der Ältere" bezeichnet, war 1449 Oettinger Vogt von Neresheim, 1459 Pfleger zu „Uffhusen" (Aufhausen bei Eglingen) und 1474-87 Pfleger zu Lauingen. Er war als Parteigänger des Grafen Ulrich von Öttingen in eine Fehde verwickelt und wurde 1463 auf der Kaltenburg von der Gegenpartei (Wilhelm Vetzer und Claus Schmid von Neresheim) gefangengenommen.

Im Jahre 1472 wurde von der bayrischen Lehenherrschaft die Verleihungsurkunde für Schloss „Kaltenburg mit allen Zugehörungen" an Friedrich von Grafeneck ausgestellt. Bereits 1470 war dieser von Bischof Johann von Augsburg mit 2 Holen zu Bissingen (Inhaber Hans Rener und Martin Keller) belehnt worden.

Im Jahre 1490 tritt ein „Junker" (junger Herr) Friedrich von Grafeneck zu Kaltenburg auf, offenbar Sohn des gleichnamigen Vaters. Auch dieser siegelte mehrmals in Lauingen, Ein weiterer Sohn Ist Wolfgang von Grafeneck, welcher 1494 seinem Bruder Sixt den ererbten Teil von Kaltenburg mit der ganzen Waffenausrüstung sowie der Hälfte der zwei Höfe und des Kirchensatzes (Lontal) verkauft. Als Bürge bei diesem Vertragsabschluß siegelt neben dem Vater Friedrich ein weiterer Bruder Ludwig oder Lutz vc'' Grafeneck, der bereits 1489 auf Schloss Burgberg seinen Sitz hat.

Die Herren von Grafeneck 
auf Burgberg

Vermutlich durch Heirat kommen die Grafeneck von der nahen Kaltenburg nach Burgberg herüber. Bereits 145° ist Fritz von Grafeneck mit Schloss Burgberg belehnt und kommt auch in den Besitz des halben Teils von Stetten. Im Jahre M89 hat Lutz (Ludwig) von Grafeneck seinen Sitz auf Schloss Burgberg, und 1494 wird dieser Sohn Friedrichs als „Herr zu Burgberg" ausgewiesen, während seine beiden Brüder Wolf und Sixt auf der Kaltenburg residieren.

Ein Sohn Ludwigs mit gleichem Namen wurde Vogt zu Neresheim. Er erwarb im Jahre 1530 „Veste und Dorf Eglingen“ und wurde damit Begründer dieser Linie. Sein Bruder Friedrich bleibt in Burgberg. Zeitweise sind aber auch beide Rittergüter in einer Hand. So ist Joachim Gottfried von Grafeneck (t 1679), welcher 1664 in den Grafenstand erhoben wurde, „Herr uff Burgberg, Eglingen und Osterhoffen" und „fürstlich Neuburgischer Kämmerer", wie es auf der Inschrift in der Kirche in Eglingen heißt. Vermerkt sein soll auch die köstliche Notiz der Pfarrchronik von St. Ulrich im Lontal über die Grundsteinlegung des dortigen Kirchenbaues am 11. April 1603:

„Es waren aber auch darzue Berueffen worden, des Wohlgeborenen Herrn, Herrn Ferdinand! Freyherrn zue Grafenegg uff Burgberg Gemahlin, Frau Brigitte geborene Hundtpissin von Walthrambs, samt Vier Junger Herrlen, alle von Grafenegg zue Burgberg, auch alle under 11 Jahren. Item auch ein Fräulein Anastasia von Grafenegg zue Burgberg, 5jährig, die allesambt auf den Stein 3 Straich gethan."

Aus der Burg in Burgberg wurde während der Grafeneckschen Epoche allmählich ein Schloss, welches im 30jänrigen Krieg wie auch die umliegenden Schlösser gründlich zerstört, danach jedoch im heutigen Stil wieder aufgebaut wurde. Ulrich von Grafeneck auf Burgberg vermählte sich mit Kunigunde vom Stain, welche bei der Stainschen Teilung von Niederstotzingen im Jahre 1550 ein Heiratsgut von 3000 Gulden erhalten hatte.

1577 bis 1587 ist Wilhelm, Freiherr von Grafeneck zu Burgberg, Herr zu Marschalkenzimmern, als Statthalter des kaiserlichen Hofrichteramts Rottweil zu finden. Ein Wilhelm, Freiherr von Grafeneck zu Burgberg, ist 1622 als Hauskomtur zu Ulm und Deutsch-Ordens-Ritter genannt. 1630 übernimmt Ernst, Freiherr von Grafeneck zu Burgberg, die Vormundschaft für die Kinder des verstorbenen Eyttelhainrich, Freiherr von Stain (Niederstotzingen).

Im Jahre 1728 starb Graf Dominikus Anton von Grafeneck, welcher kurpfälzischer Rat und Kämmerer gewesen war. Er hinterließ wohl fünf Töchter, aber keinen männlichen Erben. Somit fiel der lehenbare und wesentlichste Teil der Herrschaft Burgberg an das fürstliche Haus Öttingen-Wallerstein heim und wurde von da an nicht mehr ausgegeben.

 

Nachtrag:

Ein Herr von Grafeneck zu Burgberg trat in der ersten Hälfte des 30jährigen Krieges als Kreditgeber für Giengen in Höhe von 700 Gulden auf. (Fetzer, Der Kr. Heidenheim im 30jährigen Krieg, S. 68.)

Philipp, Freiherr von Grafenegg, Herr zu Burgberg, Eglingen und Osterhofen, war 1631 Hauskomtur des Deutschen Ritterordens in Ellingen (Franken), 1650-53 Komtur zu Rotenburg, 1653 Abgesandter des Ordens beim Reichstag zu Regensburg und 1657-60 Komtur zu Kapfenburg. 1653 und 1664 ist er als Statthalter der Ballei Franken genannt. 1668 ist er als Komtur zu Kapfenburg und Landkomtur der Bailei Franken gestorben (Kiessling, Deutsche Ordenskommende Kapfenburg, 1990).

Nachweise:

Urkunden Wallerstein-Öttingen
Nördlingen
Kaisheim
Bächingen und Harthausen
Pfarrchronik Burgberg
Magenau, Giengen

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